Es gibt einige Antiphysiognomen, aber keine Nichtphysiognomen. Es ist für jeden Menschen, also auch für Antiphysiognomen, aus sinnes- und neurophysiologischen Gründen unvermeidlich, physiognomisch zu schließen. Es ist eine Frage der wissenschaftlichen (und sonstigen) Redlichkeit, dass man selbst auf das verzichtet, was man ablehnt. Also soll man Antiphysiognomen daraufhin kontrollieren, dass sie auf physiognomisches Schließen verzichten. Es wird dies freilich keinem Antiphysiognomen gelingen, der ein paar funktionierende Sinnesorgane und ein normal funktionierendes Zentralnervensystem hat. Wer Physiognomik ablehnt, hat jedenfalls keine wissenschaftlichen, sondern andere Gründe. Physiognomik hat bis heute nie zu Rassismus und anderen Formen der Diskriminierung geführt. Vielmehr ist Physiognomik die Quelle der Humanität. Ich empfehle, diejenigen zu fragen, die solches behaupten, ob sie konkrete Beispiele nennen können, ob sie an historischen oder gegenwärtigen Beispielen die Behauptung begründen können. Sie sollen Namen, Daten und Ereignisse in überprüfbarer Form nennen. Mir ist kein Fall bekannt, dass etwa die „Huter’sche Psychophysiognomik“ oder eine andere ernst zu nehmende, also wissenschaftlich fundierte physiognomische Lehre zu Rassismus und zu Diskriminierungen geführt hätte. Wir wollen aber berücksichtigen, dass die Physiognomik auf dem Weg zur aktuellen Wissenschaft eine lange Entwicklung durchgemacht hat. Es gab Irrungen und Wirrungen. Aber nicht mehr als etwa in der Medizin, Psychologie und Pädagogik oder in der Chemie und Physik, von der Rechtswissenschaft, der Religionswissenschaft und der Politikwissenschaft schon gar nicht zu sprechen. Hin und wieder wird, meist hinter vorgehaltener Hand, Physiognomik mit dem Dritten Reich in Zusammenhang gebracht, - allerdings nie von Kennern der Materie. Adolf Hitler, dessen Wort im Dritten Reich gewissermaßen gesetzgebende Wirkung hatte, meinte in „Mein Kampf“ (1925/26), nur Hohlköpfe würden vom Äußeren auf das Innere schließen. Die Juden beispielsweise würden öfters aussehen wie Arier, sie seien aber ganz anders. Schlussfolgerungen: Hitler (und das Dritte Reich) war antiphysiognomisch; den Juden hat nicht die Physiognomik zum Schaden gereicht. Die Huter’sche Psychophysiognomik wurde zwischen 1933 und 1945 im Dritten Reich systematisch verfolgt. Die Bücher wurden verbrannt. Das gleiche, systematische Unterdrückung und Verfolgung, war der Fall in den sozialistischen Staaten, etwa in der DDR. Darüber orientert das Buch "Adolf Hitler und die Physiognomik" (2001) von Fritz Aerni. Es ist wohl vor allem Unwissen, was Leute zu Behauptungen, die Psychophysiognomik führe zu Rassismuss und Vorurteilen, verleiten lässt. Manchmal haben sie auch guten Grund, sich gegen Physiognomik zu wenden, nämlich dann, wenn sie genug zu verstecken haben. Darauf hat schon Johann Caspar Lavater (1741-1801) in seinem berühmten, vierbändigen Werk "Physiognomische Fragmente zur Beförderung der Menschenkenntnis und Menschenliebe" (1775-1778) hingewiesen. |